Krise des Bankensystems

Vereinigte Staaten

Bank Run in den Vereinigten Staaten am 28. Februar 1933
Aufgrund des Wertverlusts volatiler Anlagen infolge des Börsencrashs, aufgrund der Zahlungsunfähigkeit vieler Kreditnehmer und aufgrund von Bank Runs kam es in den Vereinigten Staaten zu einer Serie von Bankzusammenbrüchen, in deren Folge 1/3 aller Banken liquidiert werden mussten. Dies führte zu einer allgemeinen Kreditknappheit, die es in vielen Fällen unmöglich machte, Kredite zu vergeben oder zu verlängern. Dies wiederum hatte in der Realwirtschaft Masseninsolvenzen zur Folge. Durch die Bankenkrise wurde auch die Giralgeldschöpfungsfunktion der Banken erheblich gestört. In dieser Situation hätte die US-amerikanische Notenbank (FED) die Banken stabilisieren können, tat dies aber nicht, sondern verfolgte im Gegenteil eine kontraktive Geldpolitik, die die Geldmenge um etwa 30 % („great contraction“) reduzierte, die Deflationsspirale forcierte und damit die Banken- und Wirtschaftskrise weiter verschärfte.

Deutschland
Die deutsche Bankenkrise kennzeichnete den Beginn des zweiten Teils der Wirtschaftskrise, den Beginn der „Hyperdeflation“. Sie hatte zwei Ursachen: Durch gegenseitige Konkurrenz, durch feindliche Übernahmen kleinerer Banken und auf Grund spekulativer Wertpapier- und Warengeschäfte hatten die großen Banken 1925 wieder das Geschäftsvolumen von 1914 erlangt. Sie waren zwar auf Expansion ausgerichtet, aber durch niedrige Eigenkapitalquoten und geringe liquide Mittel schlecht dafür gerüstet. Hätten sie ihr Eigenkapital aufgestockt (durch geringere Dividendenzahlungen und/oder das Herausgeben weiterer Aktien), wäre die Differenz beider Größen zu der Summe der herausgereichten Kredite nicht so groß gewesen.

Hinzu kam die Instabilität des internationalen Kreditmarktes. Als wichtigstes Kennzeichen hierfür muss man den einseitigen Geld- und Kapitalstrom nennen. Von 1925 bis 1929 waren ausländische Kredite von insgesamt 21 Milliarden (RM) nach Deutschland geflossen, denen im gleichen Zeitraum nur 7,7 Milliarden RM deutsche Anlagen im Ausland gegenüberstanden. Ein Großteil der aufgenommenen Kredite war obendrein kurzfristiger Natur, das heißt, sie mussten binnen drei Monaten zurückgezahlt werden. Bis 1929 wurden sie aber regelmäßig verlängert. Die Banken liehen diese kurzfristigen Gelder mitunter mit langen Laufzeiten aus. Somit war die Situation der Banken bereits vor der Weltwirtschaftskrise kritisch: Sollten die ausländischen Gläubiger ihr Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Banken verlieren und die kurzfristigen Kredite einmal nicht verlängern, drohte sofort ein empfindlicher Devisenmangel bis hin zur Illiquidität. Im Ausland führte die Krise ebenfalls zur Verknappung der Liquidität der Banken. Im November 1930 gerieten die Banken in den USA und in Frankreich, wo sich die Wirtschaftskrise ansonsten noch gar nicht bemerkbar gemacht hatte, in eine Krise und zogen große Summen kurzfristiger Gelder aus Deutschland ab. Hier erfasste die Krise zunächst hauptsächlich kleinere Banken, so dass das Ausmaß zunächst nicht so transparent war.

Im Frühjahr 1931 geriet nun die Österreichische Creditanstalt in Schwierigkeiten, die sich bei der Übernahme der Bodenkreditanstalt „übernommen“ hatte. Zeitgenossen vermuteten, dahinter stünde die französische Regierung, die so den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion torpedieren wolle. Obwohl solche Manipulationen tatsächlich in der französischen Regierung diskutiert wurden, konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie für den Zusammenbruch der Creditanstalt, die am 11. Mai 1931 ihre Zahlungsunfähigkeit erklärte, verantwortlich war. Das bedeutete nicht nur für Österreich, sondern für ganz Mitteleuropa den Beginn einer Finanzkrise.

Man befürchtete nun, dass diese Entwicklung auf Deutschland übergreifen würde. In dieser Lage erklärte Reichskanzler Brüning selbst im Juni 1931 aus innenpolitischen Gründen – er hoffte nämlich auf die Unterstützung der Rechten und der Nationalsozialisten im Reichstag für ein neues Paket von Sparmaßnahmen – die Reparationen öffentlich für „unerträglich“. Das schien auf eine bevorstehende Zahlungsunfähigkeit des Reiches zu deuten und untergrub das Vertrauen der ausländischen Kreditgeber nachhaltig. Devisen im Wert von mehreren Milliarden RM wurden abgezogen und es kam, nachdem im Juli 1931 eine der Berliner Großbanken illiquide geworden war, noch ein massenhafter Ansturm der Bevölkerung auf die Banken hinzu (Bank Runs). Diese mussten am 13. Juli 1931 ihre Zahlungen einstellen. Die Kreditorenbeträge sanken im Juni/Juli um 21,4 %. Um die Bankenkrise zu überwinden, wurden die Banken für mehrere Tage geschlossen und der Kontrolle der Regierung unterstellt. Auch die Börse blieb monatelang geschlossen – Kredite und Neuinvestitionen waren so unmöglich.

Zudem war einen Monat zuvor das Hoover-Moratorium, das zur Wiederherstellung des Vertrauens alle politischen Schulden für ein Jahr stornierte, psychologisch verpufft, weil französische Vorbehalte wochenlange, schwierigste Verhandlungen nötig gemacht hatten. Da Reichsbankpräsident Hans Luther den Abfluss von Devisen ins Ausland mit allen Mitteln umkehren wollte, erhöhte er den Diskontsatz kurzfristig auf 15 % (um Devisen wieder anzuziehen), was allerdings nicht gelang und weshalb auch kaum Kredit an die Privatwirtschaft vergeben werden konnte (die Währung war bereits unterdeckt). Der Banknotenumlauf betrug 1929 noch 5 Milliarden RM und verringerte sich um 30 % auf 3,5 Milliarden RM im Jahre 1932. Über Möglichkeiten zur Kreditausweitung wurde auf der Geheimkonferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 diskutiert.

Probleme und Reaktionen in weltwirtschaftlichen Zentralbereichen
Großbritannien hatte bereits eine wirtschaftlich schwierige Dekade durchgemacht, als die Schockwellen des US-Desasters das Inselreich erreichten. Schon während der 1920er Jahre hatte stets eine relativ hohe Arbeitslosenzahl von über einer Million bestanden. Die im Zuge der Kriegsfinanzierung aufgegebene, 1925 aber wiederhergestellte Bindung des britischen Pfunds an den Goldstandard zum Vorkriegskurs mochte darauf zielen, London als Weltfinanzplatz zu erneuern, führte aber nicht zur Belebung der britischen Wirtschaft, in die wegen eines hohen Kreditzinsniveaus kaum investiert wurde. Außerdem schwächte der nun hohe Umtauschkurs des Pfunds den britischen Handel: Während britische Produkte im Ausland zu teuer wurden, waren ausländische Produkte in Großbritannien nun billig zu erstehen.

Die Weltwirtschaftskrise machte sich in Großbritannien zunächst vor allem als Zusammenbruch des Welthandels bemerkbar. Von 1929 bis 1931 fiel der Wert britischer Exporte um rund 38 Prozent. An der Jahreswende 1932/33 erreichte die Arbeitslosigkeit mit knapp unter drei Millionen ihren Spitzenwert. Ein rigides Sparprogramm führte zu harten Auseinandersetzungen innerhalb der regierenden Labour Party und zur Bildung einer „Nationalen Regierung“ unter Einschluss konservativer und liberaler Minister im August 1931.

Am darauffolgenden 21. September wurde die Goldbindung des Pfundes aufgegeben, nachdem die Bank von England ihre Goldreserven zur Stützung der österreichischen Creditanstalt und in der Deutschen Bankenkrise eingesetzt hatte, um eine gesamteuropäische Bankenkrise abzuwenden. Als es danach zu einem Ansturm der Anleger, Geschäftsbanken und mehrerer Zentralbanken kleinerer europäischer Länder auf die Bank of England kam, konnte diese das Pfund nicht mehr stützen, weil der Großteil ihrer Reserven in Österreich und Deutschland festlag. Binnen weniger Tage nach dem Stopp der Auszahlungen in Gold stürzte der Wechselkurs des Pfundes gegenüber dem US-Dollar um etwa 25 Prozent ab. Damit aber gewann die britische Exportwirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit zurück, wenn auch unter veränderten Weltmarktbedingungen. Zugleich ging von der Abwertung des Pfunds eine deutliche Belebung der britischen Binnenwirtschaft aus, sodass sich Großbritannien trotz weiterhin hoher Arbeitslosenzahlen laut Florian Pressler nach 1931 besser entwickelte „als alle anderen großen Industrienationen.“

Frankreich, das 1926 ebenfalls zum Goldstandard zurückgekehrt war, blieb von den Turbulenzen der Weltwirtschaftskrise anfänglich verschont. Die Industrieproduktion war weit weniger als die britische auf ausländische Märkte angewiesen, der Agrarmarkt durch hohe Einfuhrzölle geschützt und der Franc in relativer Unterbewertung stabil. Daher strömte Kapital, das nach sicheren Anlagemöglichkeiten suchte, in großen Mengen nach Frankreich. Die Notendeckung stieg bis 1931 auf 80 %, die Banque de France verfügte über ein Viertel der Weltgoldvorräte. Diese komfortable Lage änderte sich drastisch mit der britischen Abkehr vom Goldstandard und der Abwertung des Pfunds im September 1931, da nun der Franc und die anderen Währungen des „Goldblocks“ überbewertet schienen. Nun begann die Weltwirtschaftskrise auch in Frankreich: Es kam zu Arbeitslosigkeit, der Außenhandel ging zurück, die Produktion blieb bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs unter dem Niveau von 1928. Zwar blieben die Arbeitslosenzahlen in Frankreich vergleichsweise moderat und lagen auch in der Krise nie über fünf Prozent; aber indem der Goldstandard des Franc kostenträchtig verteidigt wurde, geriet der französische Staatshaushalt ab 1931 in eine Schieflage.

Die daraus resultierende Politik des knappen Geldes und der Deflation destabilisierte die Dritte Französische Republik unter dem Druck von Extremisten, während die gesellschaftliche Mittelschicht am stärksten vom wirtschaftlichen Niedergang betroffen war und sich radikalisierte. Demonstrationen der rechtsradikalen Action française und des linksradikalen Parti communiste français führten 1934 zu Ausschreitungen mit Todesopfern. Nachdem bis 1935 wechselnde Mitte-rechts-Regierungen an der Krisenbewältigung gescheitert waren, setzte sich in den Wahlen vom Mai 1936 die Volksfront unter Führung Léon Blums als Regierungsbasis durch. Im Zeichen von Streiks und Wirtschaftslähmung wurden deutliche Lohnerhöhungen gewährt, die betriebliche Stellung der Gewerkschaften gestärkt und die wöchentliche Arbeitszeit von 48 auf 40 Stunden gesenkt. Angesichts einer zur gleichen Zeit im NS-Deutschland eingeführten Arbeitszeiterhöhung auf bis zu 54 Wochenstunden wurde die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Industrie damit erheblich geschwächt. Dies hatte eine umfängliche Verlagerung von Kapital ins Ausland zur Folge und ließ nun auch die Goldreserven der Banque de France schwinden. Insgesamt erfuhr Frankreich in der Dekade von 1929 bis 1939 einen durchgreifenden Niedergang hinsichtlich wirtschaftlicher Schwächung und politischer Zerrüttung.

Die einzelnen Staaten reagierten je nach Art des Betroffenseins und entsprechend den politischen Leitvorstellungen unterschiedlich auf die Herausforderung. Ausgehend von den skandinavischen Ländern begannen funktionierende Demokratien steuernd in das Marktgeschehen einzugreifen und Ansätze für einen Übergang zum Wohlfahrtsstaat zu entwickeln (siehe etwa das nachmalige Schwedische Modell). Zaghafte Reformansätze des US-Präsidenten Hoover zur Überwindung der Großen Depression wurden ab 1933 von seinem Nachfolger Franklin D. Roosevelt verstärkt (New Deal), so auch durch wachstumsfördernde öffentliche Investitionen, die durch vermehrte Schuldenaufnahme finanziert wurden (Deficit spending).

Der deutsche Reichskanzler Heinrich Brüning dagegen war unter dem Eindruck der vorausgegangenen Großen Inflation bemüht, die Währung durch eine Sparpolitik zu stärken, was mit gravierenden sozialen Härten und tiefen Einschnitten in die sozialen Sicherungssysteme einherging. Dies trug zu einer politischen Radikalisierung breiter Bevölkerungsschichten bei – bis hin zu Straßenkämpfen zwischen Nazis und Kommunisten –, die den Aufstieg der NSDAP begünstigte.

Auswirkungen an der weltwirtschaftlichen Peripherie
Von der großen Depression in den 1930er Jahren in Mitleidenschaft gezogen waren nicht nur die seinerzeitigen weltwirtschaftlichen Zentren in Nordamerika und Europa, sondern auch solche Staaten und Regionen weltweit – im Verhältnis zu den besagten Zentren werden sie fachsprachlich als Peripherie bezeichnet –, die bis dahin entweder als Objekte kolonialer Ausbeutung gedient oder in der globalen Ökonomie nur nachrangige Bedeutung hatten. Manche Weltgegenden waren andererseits zu dieser Zeit noch ohne weltwirtschaftliche Anbindung fast ganz auf sich gestellt – zum Beispiel Nepal und Regionen in Zentralafrika – und entsprechend wenig betroffen. Im Übrigen fielen die Folgen der Weltwirtschaftskrise in der Peripherie wiederum unterschiedlich aus, wobei sich aber auch spezifische Gemeinsamkeiten zeigten.

Die meisten Länder waren hauptsächlich, wenn nicht allein, durch ihre Agrarexporte in die Weltwirtschaft eingebunden und von den diesbezüglichen Erlösen abhängig, was ihre Importmöglichkeiten industrieller Erzeugnisse betraf. Der Preisverfall für landwirtschaftliche Produkte war in der Weltwirtschaftskrise aber um einiges drastischer als der für Industrieprodukte. Diese Verschlechterung der Terms of Trade brachte den Ländern der sogenannten Peripherie also in der Krise zusätzliche Nachteile im Welthandel.

Für diejenigen Menschen an der weltwirtschaftlichen Peripherie, die in kolonialer Abhängigkeit lebten, wurde die Lage zudem dadurch erschwert, dass die koloniale Herrschaftselite in dieser Situation vor allem darauf bedacht war, die Hauptertragsquellen der Kolonialwirtschaft zu stützen, also Plantagen, Minengesellschaften und Handelsunternehmen. Deren internationale Konkurrenzfähigkeit suchte man durch Lohndrückerei zu wahren, sodass die einheimischen Arbeitskräfte für die Verwerfungen im Außenhandel einstehen mussten. Auch wo es um Mittel zur Finanzierung des kolonialen Verwaltungsapparats selbst ging, hielt man sich bei rückläufigen Steuereinnahmen nicht an die Unternehmen, sondern suchte sich durch höhere Besteuerung der Kolonialbevölkerung schadlos zu halten.

Für Pressler finden sich die bedeutendsten Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, was die sogenannte Peripherie betrifft, im Denken der Menschen. Denn in dieser Krise hätten sie begonnen, das Fehlen einer eigenen Industrie als Unterentwicklung zu begreifen. Die seinerzeit erlebte dramatische Verschlechterung der Terms of Trade habe den Glauben an eine beiderseits vorteilhafte Arbeitsteilung zwischen industriellen Zentren einerseits sowie Agrar- und Rohstofflieferanten andererseits erschüttert. Die Dekolonisierung Afrikas und Asiens habe während der 1930er Jahre ihren Anfang genommen, auch wenn die Entlassung in die Unabhängigkeit sich erst nach einem längeren Zeitraum in der Folge des Zweiten Weltkriegs eingestellt habe.

Quelle: Wikipedia

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